Grundwasser schützen – Wasser bewusst nutzen
Aufgrund von immer mehr Hitzetagen im Jahr und längeren Dürreperioden appellieren Städte, Gemeinden und regionale Wasserversorger an ihre Bürgerinnen und Bürger, sparsam mit Wasser umzugehen. Dabei geht es nicht nur darum, mit unserem Lebensmittel Nummer 1, dem Trinkwasser, sorgsam umzugehen, sondern auch das oft übernutzte Grundwasser zu schützen.
Bei ausbleibendem Niederschlag, hohen Temperaturen und gleichzeitig erhöhter Grundwasserentnahme – zum Beispiel zur Bewässerung privater oder öffentlicher Grünflächen oder durch Bergbau, Industrie und Landwirtschaft – sinken die Grundwasserstände. Das kann gravierende Auswirkungen auf die Ökosysteme haben.
Grundwasserstress in Deutschland
Besonders betroffen sind Regionen in Ost- und Norddeutschland, entlang des Oberrheins sowie im Südwesten. Das zeigt eine Studie des Instituts für sozial-ökologische Forschung im Auftrag des BUND aus dem vergangenen Jahr. Danach wurden von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten rund die Hälfte als potenziell von strukturellem und/oder akutem Grundwasserstress betroffen ausgemacht.
In 141 der betroffenen Landkreise wird das Grundwasser laut Studie übernutzt. Das heißt: Jedes Jahr wird dem Grund mehr als die empfohlene Menge von 20 Prozent des neu gebildeten Wassers entnommen. 94 Kreise haben akuten Wasserstress. Die Klimakrise verschärft das Problem.
Grundwasser ist eine eminent wichtige Ressource: Mehr als zwei Drittel des Trinkwassers werden daraus gewonnen. Ebenso versorgt das Grundwasser Pflanzen und Böden und speist Bäche und Flüsse.
Wasserqualität und Wassermenge im Blick behalten
Dass Deutschland Mensch und Natur mit ausreichend sauberem Wasser versorgen kann, wurde in den vergangenen Jahren zunehmend infrage gestellt. In vielen Wassereinzugsgebieten wird ein qualitativ guter Zustand gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie verfehlt. Neben Nitrat-, Pflanzenschutz- und Arzneimitteleinträgen bereiten neuerdings auch sogenannte „Ewigkeitschemikalien“ wie per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) Sorgen.
Auch die Wassermenge ist in bestimmten Regionen zu bestimmten Zeiten häufig nicht mehr ausreichend. Darauf sind Wassermanagement und Politik bislang nicht ausreichend vorbereitet: Es fehlen Daten darüber, wer wie Grundwasser nutzt. Gleichzeitig nehmen Konflikte um die Wassernutzung zu – auch vor Gericht.
Heiße, trockene Sommertage lassen den Wasserbedarf von Privathaushalten, Kühlungs- und Bewässerungsanlagen sprunghaft ansteigen. In der Folge haben im Hitzesommer 2023 mehr als 80 Landkreise die Wasserentnahme eingeschränkt.
Was hilft?
Es gibt wirksame Hebel, um Wasservorräte zu stärken: Humusreiche Böden, naturnahe Wälder und Gewässer, strukturreiche Auen, nasse Moore und sogenannte Schwammstädte helfen dabei, Niederschläge wieder besser im Boden zu halten. Das schützt die Natur – und auch uns Menschen.
Weitere Informationen:
Die Überblicksstudie im Auftrag des BUND zum Grundwasserstress in Deutschland als PDF-Kurzfassung: https://kurzlinks.de/55wx
Die komplette Studie steht zum Download bereit unter: https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/grundwasserstress-in-deutschland/
So einfach sparen Sie Wasser in Haus und Garten
- Sparsam duschen: Installieren Sie einen wassersparenden Duschkopf. Pro Minute werden beim Duschen 12 bis 15 Liter verbraucht. Ein Sparduschkopf senkt den Verbrauch auf 6 bis 9 Liter pro Minute – ohne den Komfort einzuschränken.
- Verhalten optimieren: Drehen Sie beim Zähneputzen oder Einseifen unter der Dusche das Wasser ab.
- Geräte richtig nutzen: Schalten Sie Waschmaschine und Geschirrspüler nur dann an, wenn sie tatsächlich voll beladen sind, und nutzen Sie konsequent die Eco-Programme. Diese dauern zwar länger, sparen aber Wasser und Strom.
- Klospülung: Nutzen Sie nach dem Toilettengang die Spül-Stopp-Funktion. Das halbiert die Menge des Spülwassers. Prüfen Sie außerdem, ob Ihr Spülkasten dicht ist.
- Regenwasser nutzen: Fangen Sie Regenwasser in Zisternen oder Regentonnen auf, um damit Pflanzen zu gießen. Trinkwasser ist für den Garten zu schade.
- Richtig gießen: Bewässern Sie Ihre Beete nur morgens oder abends, da sonst zu viel Wasser ungenutzt verdunstet. Gießen Sie lieber selten, dafür aber durchdringend, damit die Wurzeln tiefer wachsen.
- Verdunstung minimieren: Bedecken Sie den Boden rund um die Pflanzen mit Mulch, zum Beispiel Rasenschnitt oder Rinde, um die Feuchtigkeit im Boden zu halten.
- Stauden statt Rasen: Pflanzen Sie pflegeleichte, heimische Stauden, die mit Trockenperioden besser zurechtkommen als ein konventioneller Rasen.
- Bäume pflanzen: Ein großer Baum kann mehrere hundert Liter Wasser an einem Sommertag verdunsten und damit wertvolle Verdunstungskälte erzeugen. Deshalb: Pflanzen Sie sozusagen „Wasser“ an!
Weitere praktische Alltagstipps:
Der Umweltverband BUND hält weitere Tipps zum Wassersparen bereit unter: https://www.bund.net/bund-tipps/detail-tipps/tip/wasser-sparen/
Wasserverbrauch in Deutschland
Die Menschen in Deutschland sind am Wasserhahn sparsamer geworden: Im Durchschnitt verbraucht jede Person heute 121 Liter Wasser in 24 Stunden – das sind 23 Liter pro Tag weniger als 1991.
- Körperpflege: 43,6 Liter pro Tag bzw. 36 Prozent
- Toilettenspülung: 32,7 Liter pro Tag bzw. 27 Prozent
- Wäschewaschen: 14,5 Liter pro Tag bzw. 12 Prozent
- Putzen, Gartenbewässerung und Autopflege: 7,3 Liter pro Tag bzw. 6 Prozent
- Geschirrspülen: 7,3 Liter pro Tag bzw. 6 Prozent
- Essen und Trinken: 4,8 Liter pro Tag bzw. 4 Prozent
- Sonstiges: 10,9 Liter pro Tag. Dazu zählen anteilig Verbräuche kleiner Betriebe und Einrichtungen, die über die öffentliche Trinkwasserversorgung laufen, zum Beispiel kleine Läden, Praxen sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe.
Quellen: Heinrich-Böll-Stiftung/Wasseratlas und Umweltbundesamt (UBA)