Hochwasserschutz Vagen: Machbarkeitsstudie bestätigt Umsetzbarkeit der Vorzugsvariante
Der Gemeinderat hat die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für das Sturzflut-Risikomanagement in Vagen zur Kenntnis genommen und einstimmig beschlossen, die Planungen schnellstmöglich fortzuführen. Damit ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einem besseren Schutz vor Starkregen und Sturzfluten in Vagen erreicht.
Starkregen stellt Vagen vor besondere Herausforderungen
Die Starkregengefahrenkarte zeigt, dass bei einem hundertjährlichen Starkregenereignis (HQ100) zahlreiche Bereiche von Vagen von Oberflächenabfluss und Überflutungen betroffen sein können.
Um dieses Risiko zu reduzieren, soll das Wasser im Goldbach gefasst und bei Bedarf kontrolliert nach Westen abgeleitet werden. Der Gemeinderat hat sich bereits für eine Vorzugsvariante entschieden. Diese sieht vor, Wasser aus dem Goldbach beziehungsweise Teufels- bzw. Leitengraben gezielt nach Westen abzuleiten und in die Becken der Leitzachwerke zu überführen. Ziel ist es, bei starken Niederschlägen die Ortslage von Vagen besser vor Überflutungen zu schützen.
Die Vorzugsvariante umfasst mehrere aufeinander abgestimmte Maßnahmen entlang des Goldbachs sowie die Überleitung in das Leitzachwerk-Becken 1.
Warum wurde die Machbarkeitsstudie durchgeführt?
Da ein Teil der geplanten Maßnahmen im sensiblen FFH-Gebiet liegt, wurde vor der weiteren Planung eine umfassende Machbarkeitsstudie beauftragt. So sollten mögliche naturschutzrechtliche Hindernisse frühzeitig erkannt und kostenintensive Umplanungen in späteren Projektphasen vermieden werden.
Die Untersuchungen fanden zwischen Mai und November 2025 statt. Neben den naturschutzfachlichen Erhebungen wurden Vermessungen, Baugrunduntersuchungen und hydraulische Berechnungen durchgeführt.
Umfangreiche Untersuchungen im FFH-Gebiet
Ein Schwerpunkt der Studie lag auf der Frage, ob die geplanten Schutzmaßnahmen mit den hohen naturschutzfachlichen Anforderungen im FFH-Gebiet vereinbar sind. Dafür wurden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten untersucht, darunter Amphibien, Feuersalamander, Haselmäuse, Zauneidechsen sowie besonders geschützte Pflanzenarten wie der Kriechende Sellerie und das Bayerische Löffelkraut.
Zusätzlich wurden Baugrunderkundungen durchgeführt. Diese ergaben günstige Voraussetzungen für die weitere technische Planung.
Auch die hydraulischen Berechnungen zeigen, wie die Schutzmaßnahmen umgesetzt werden können und an welchen Stellen Anpassungen, beispielsweise bei Brücken oder Uferbereichen, erforderlich sind.
So soll die Vorzugsvariante umgesetzt werden
Die geplanten Maßnahmen gliedern sich in drei Abschnitte. Vorgesehen sind unter anderem ein Natursteinwall im östlichen Bereich oberhalb der Wallner Alm, eine Mikropfahlwand mit Natursteinverkleidung im mittleren Abschnitt vom „Dafeicht Weg“ bis zum Schloss sowie ein neues Raugerinne im westlichen Bereich.
Dabei wurde die Planung bereits während der Machbarkeitsstudie mehrfach angepasst, um Eingriffe in Natur und Landschaft möglichst gering zu halten. Besonders wichtig war die Vorgabe, Eingriffe in das Gewässerbett und in sensible Lebensräume weitgehend zu vermeiden.
Positives Ergebnis für den Naturschutz
Das zentrale Ergebnis der Studie lautet: Die geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen können naturschutzfachlich verträglich umgesetzt werden, wenn die vorgesehenen Vermeidungs- und Minimierungsmaßnahmen berücksichtigt werden. Größere Einschränkungen für das Projekt sind nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu erwarten.
Die Gutachter kommen zu dem Schluss, dass durch Optimierungen der Planung sämtliche untersuchten Konfliktpunkte beherrschbar sind. Für besonders empfindliche Arten und Lebensräume wurden konkrete Schutzmaßnahmen entwickelt.
Auch die zuständigen Fach- und Genehmigungsbehörden bewerten die grundsätzliche Umsetzbarkeit des Vorhabens positiv. Die endgültige Bewertung erfolgt jedoch erst im späteren Planfeststellungsverfahren.
Keine negativen Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung
Im Rahmen der Studie wurden außerdem mögliche Auswirkungen auf das Trinkwasserschutzgebiet untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Maßnahme grundsätzlich mit den Anforderungen des Trinkwasserschutzes vereinbar ist. Die Quellfassungen liegen deutlich höher als die prognostizierten Wasserspiegel bei Hochwasserereignissen, sodass keine Beeinflussung der Trinkwassergewinnung erwartet wird.
Wie geht es jetzt weiter?
Mit dem Gemeinderatsbeschluss kann nun das erforderliche Vergabeverfahren (VgV-Verfahren) für die weiteren Planungsleistungen vorbereitet werden. Die Kosten für die Vergabe werden auf rund 12.000 bis 15.000 Euro geschätzt.
Im Anschluss sollen die weiteren Planungsphasen ausgeschrieben und vergeben werden. Danach folgt die Erstellung der Genehmigungsunterlagen mit dem Ziel, das Planfeststellungsverfahren einzuleiten und Fördermittel zu beantragen.
Besonders im Fokus steht dabei der erste Bauabschnitt westlich der Druckleitung der Leitzachwerke. Dieser soll möglichst frühzeitig umgesetzt und mit der geplanten Überleitung von Leitengraben, Kotbach beziehungsweise Teufelsgraben in das Leitzachwerk-Becken kombiniert werden.
Die Kosten für diesen ersten Bauabschnitt werden derzeit auf rund 250.000 Euro geschätzt. Nach aktuellem Stand ist eine staatliche Förderung von bis zu 60 Prozent möglich.
Bürgermeister und Gemeinderat sehen in den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie ein wichtiges Signal für die weitere Entwicklung des Projekts. Ziel bleibt es, den Ortsteil Vagen nachhaltig vor den Folgen von Starkregen und Sturzfluten zu schützen und gleichzeitig die hohen Anforderungen von Natur- und Trinkwasserschutz zu erfüllen.