10 Jahre Engagement für die Gemeindebücherei
Interview mit Büchereileiterin Lena Reichl
Seit inzwischen zehn Jahren steht Lena Reichl an der Spitze der Gemeindebücherei Feldkirchen-Westerham. Im Gespräch blickt sie auf Entwicklungen, Herausforderungen und ihre persönliche Motivation zurück – und gibt einen Ausblick auf die Zukunft der Bücherei.
Frau Reichl, Sie leiten die Gemeindebücherei nun seit zehn Jahren. Was bedeutet dieses Jubiläum für Sie?
Lena Reichl: „Die zehn Jahre sind für mich wie im Flug vergangen. Die Bücherei ist der Ort, der mir wirklich am Herzen liegt. Es freut mich sehr, gemeinsam mit unserem engagierten ehrenamtlichen Team und meiner Kollegin so viele positive Entwicklungen angestoßen zu haben.“
Was hat sich in dieser Zeit besonders verändert?
Reichl: „Der Bauplan. Durch die wechselnden Medien und auch Anforderungen an eine Bücherei wurde die Erweiterung, die mein Vorgänger Dr. Michael Mücke schon angestoßen hat, ständig aktualisiert und flexibler gestaltet. Spürbar für die Lesenden war aber klar die Einführung der Tonie-Figuren und der Switch-Spiele, die Entwicklung der digitalen Bibliothek LEO-SUED, genauso wie die Weiterentwicklung zum Aufenthaltsort auch trotz Umzug in die Westermeyer Straße.“
Die Bücherei wurde kürzlich ausgezeichnet. Was steckt dahinter?
Reichl: „Das Bücherei-Siegel in Gold war für uns ein großes Highlight. Es bestätigt, dass wir in vielen Bereichen sehr gut aufgestellt sind – vom Medienangebot über Veranstaltungen bis hin zu unseren Öffnungszeiten und Kooperationen. Besonders stolz bin ich auf unser ehrenamtliches Team, ohne das diese Qualität nicht möglich wäre. Vielen Dank für Euer Engagement, Zeit und Energie, welche Ihr seit vielen Jahren in unsere Bücherei steckt. Ihr macht diese Bücherei lebendig.“
Welche Rolle spielt die Bücherei heute in der Gemeinde?
Reichl: „Die Bücherei ist längst mehr als ein Ort zum Ausleihen von Büchern. Sie ist ein Treffpunkt für alle und jeden. Veranstaltungen wie unser monatlicher 1. Frei-Tag Spieleabend zeigen, wie wichtig dieser soziale Aspekt geworden ist. Hier kommen Menschen zusammen, tauschen sich aus und verbringen gemeinsam Zeit ohne Leistungsdruck und Konsum. Beim Sommerferien-Programm sind wir mit unseren Kinos dabei und unter dem Jahr kommen Kindergärten und Schulen vorbei und lernen das Haus kennen. Wir verstehen uns als alltäglicher Ort für alle.“
Gibt es Neuerungen, die Ihnen besonders am Herzen liegen?
Reichl: „Ja, zum Beispiel unsere erweiterten Öffnungszeiten. Seit 2025 haben wir zusätzlich auch mittags geöffnet, damit noch mehr Menschen die Bücherei unkompliziert nutzen können – etwa in der Mittagspause. Die nahegelegene MiKi nutzt dieses Angebot und besucht uns innerhalb ihres Betreuungsangebotes. Das freut mich persönlich immer sehr, da ich da den direkten Kontakt zu den Kindern habe und somit sehe, welche Themen gerade aktuell sind. Auch der Spieleabend, welcher am ersten Freitag jeden Monats stattfindet, erfreut mich sehr. Menschen kommen zusammen und haben losgelöste Stunden in unserem Haus, lernen sich kennen und kommen wieder. Unbekannte werden zu Bekannten und das ist wunderbar zu begleiten. Und zuletzt sind die Kinder immer sehr glücklich, wenn sie die Spielküche entdecken. Das dieser Kellerfund so vielen Kindern so viel Spaß bringt hätte wohl damals niemand gedacht.“
Was motiviert Sie persönlich in Ihrer Arbeit?
Reichl: „Zu zeigen, wie breit eine Bücherei aufgestellt ist und somit ein Haus für alle ist, ist für mich zentral. Bei jeder Klassenführung gehen wir mit den Kindern durch die Bücherei und staunen zusammen, dass jedes Kind hier etwas findet, dass es begeistern kann. Auch ist es mir wichtig, die „Lesemuffel“ zu begrüßen. Auch die können unser Haus für sich entdecken. Wir haben noch viel mehr zu bieten als Bücher und selbst diese dürfen Spaß machen. Wie sehr wir zum Beispiel in einer Klasse über ein Buch gelacht haben, sodass es am Schluss die Lehrerin ausgeliehen hat, damit es alle lesen können, bestätigt mich in meiner Arbeit. (Falls Du möchtest, das Buch heißt: „Das Buch vom Klo : Eine Reise durch die stinkende Vergangenheit“ und ist ein Sachbuch über die Toilette). Aber nicht nur unsere Medien egal ob analog oder digital sprechen für diesen Ort, sondern der Aufenthalt. Ich sehe Büchereien in der Aufgabe, der berühmte Dritte Ort zu sein.
Welche Ziele haben Sie für die kommenden Jahre?
Reichl: „Wir wollen unser Angebot weiter modern halten und gleichzeitig unsere Rolle als Treffpunkt stärken. Dazu gehören neue Medienformate, Veranstaltungen und Kooperationen. Mein Ziel ist, dass die Bücherei auch in Zukunft ein lebendiger Ort für alle in der Gemeinde bleibt und mehr Raum hierbei schafft“
Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich von den Bürgerinnen und Bürgern?
Reichl: „Dass sie mit Entdeckergeist durch die neuen Hallen gehen und sich auf unser Konzept einlassen, die Bücherei als Aufenthaltsort zu sehen. Sprechen Sie uns an, geben konstruktives Feedback oder auch Ideen und wenn Sie Lust haben, machen Sie mit.“